Bedeutung: Nachname / Name Böttger

Der Name Böttger ist eine Abwandlung von Böttcher, welcher eine Berufsbezeichnung für den Hersteller von Fässern und Tonnen aus Holz ist. Diese wurden aus einzelnen Holzdauben zusammengesetzt und mit Eisenreifen zusammengehalten. Das Gewerbe war nicht nur zahlreich in den grossen, mittelalterlichen Städten, sondern auch auf dem Land vertreten. (für Brauereien, als Weinfass, zum Gerben, zum Baden, zur Lagerung und Transport von Nahrungsmitteln). Neben dem Grossböttcher gab es auch den Berufszweig den Kleinböttcher, der kleinere Daubengefässe für den Haushalt herstellte.

Das Böttcher-Gewerbe mit den regionalen unterschiedlichen Handwerkerbezeichnungen hat grossen Anteil an der Bildung von Familiennamen.

So sind z.B. die folgenden Familiennamen daraus entstanden:
Bädeker, Baedeker, Böde(c)ker, Bädoker, Böttger, Böttjer, ( ursprünglich im Norden Deutschlands) Böttcher, (im Norden- und Ostmitteldeutschland.) Büttner (Franken Böhmen, Schlesien, Sachsen, Thüringen, Hessen) Küper (im Nordwesten) Fassbender (im Rheinland)

Böttger ist der Name folgender Persönlichkeiten:

Adolf Böttger (1815-1870) Schriftsteller und erster Übersetzer der Werke Lord Byrons
Gottfried Böttger (* 1949) Pianist
Horst Böttger (* 1939) Mediziner
Johann Friedrich Böttger (* 1682) Porzellanhersteller
Martin Böttger (* 1947) Bürgerrechtler
Rudolf Christian Böttger (* 1806) Chemiker

Johann Friedrich Böttger

Johann Friedrich Böttger (* 4. Februar 1682 in Schleiz; † 13. März 1719 in Dresden) war ein deutscher Erfinder, Apotheker und Alchimist. Am 5 Februar 1682 wurde er in der Stadtkirche auf den Namen Johann Friedrich getauft.

1683 zog er mit seinen Eltern nach Magdeburg. Dann kam er 1696 als Apothekerlehrling nach Berlin (Berliner Apotheker Zorn), wo er seine große Berufung -die Chemie- fand. Die war damals noch nicht eindeutig von Alchemie zu trennen.

1701 trat er als “Goldmacher” in Erscheinung. In erster Linie beschäftigte er sich aber damit, aus verschiedenen Substanzen durch Einwirkung von Hitze und Chemikalien neue, andere Substanzen herzustellen.

Die Goldmacherei hatte zur Folge, dass ihn der damals aufgestiegene König von Preußen den jungen Johann Friedrich Böttger verwahren wollte. Dieser flüchtete daraufhin nach Wittenberg. Doch auch hier fand er keine Ruhe vor dem Interesse der Mächtigen und der ebenfalls geldbedürftige sächsische Kurfürst August I. legte seine Hand auf ihn. Er nahm in gefangen und überführte ihn nach Dresden. Dort wurde er eingesperrt und unter Bewachung gestellt.

1703 scheiterte ein erneuter Fluchtversuch nach Böhmen und Böttger mußte sich seinem Schicksal fügen. 1705 laborierte er unter Verwahrung auf der Albrechtsburg zu Meißen auf Porzellan. Damals ein Luxus, der mit Gold aufgewogen wurde, da der Import aus China sehr langwierig, risikoreich und somit kostenintensiv war.

1706 herrschte in Sachsen Krieg. Die Schweden waren eingefallen und hatten es zu einem Großteil besetzt. Doch das Staatsgeheimnis Böttger wurde mit den Kronjuwelen gemeinsam auf der Festung Königstein sicher verwahrt.

Ende September 1707 wird Böttger erst in der Porzellan-Forschung tätig (Quelle: Hauptstaatsarchiv Dresden (H.St.A. genannt ), Loc.1341).
Noch im Sept 1707 sträubte sich Böttger zur Mitarbeit an der Porzellenherstellung. Er wolle sich nicht “in die Porcelain-Arbeit melieren, die Tschirnhausens Angelegenheit sei.” (H.St.A.Dresden, Artikel Böttger der Encykloädie der Wissenschaften und Künste, 11.Teil,1823).

Das neue Forschungslaboratorium, welches am 22. Sept.1707 in Betrieb genommen wurde, hat man für E.W.v.Tschirnhaus gebaut. Nach seinen Plänen wurde mit dem Bau bereits 1706 begonnen (H.St.A.Dresden Loc 976).

Im November 1707 erfand Böttger anscheinend durch Zufall hartes rotes Steingut, das ‘Böttger-Steinzeug’. Laut Brockhaus 1974 war das rote Steinzeug jedoch eine Erfindung von E.W.v.Tschirnhaus aus dem Jahre 1706.
Am 15. Januar 1708 schließlich gelang erstmals der Brand von weißem Porzellan, das alle technischen, funktionellen und ästhetischen Anforderungen erfüllte.
Brief Böttgers vom 14.10.1708, geschrieben drei Tage nach dem Tode von Tschirnhaus, in dem er die Herstellung eines Porzellanbechers durch E.W.v.Tschirnhaus bestätigt, (H.St.A.Dresden Loc.976). Denn am 25. Juni 1708 sandte Christoph Martin Dörfler aus Schneeberg u.a. eine Probe Kaolin in das Forschungslaboratorium (H.St.A.Dresden Loc 1340). Damit ist auch der Beweis geliefert, dass die beste Porzellanerde Sachsens, die berühmte “Auer Erde” bereits im Juli 1708 in Tschirnhausnes Laboratorium eingeliefert worden ist.
Tschirnhaus hatte somit die neue Porzellanerde noch in den Händen gehabt bevor er im Okt 1708 starb.

V.Tschirnhaus wird vom König zum Geheimen Rat und Direktor der zu gründenden Manufaktur ernannt (H.St.A.Dresden, Königliche Resolution über die Böttgerschen Rechnungen, 1708)
- und August verfügte, “…daß wir dem Herrn von Tschirnhausen 2561 Thaler haben auszahlen lassen…” (H.St.A.Dresden Loc 2097, Nr.49)

Außerdem versprach ihm der König den Reisewitzischen Garten bei Dresden, ferner ein “apertes Lehngut von mediocren Wert”, seinen “Kindern aber nach seinem Tode jedem eine gewisse Summe Geld nebst ihres Vaters Pension auf etliche Jahre.” (H.St.A.Dresden Loc.1357, ao.1709-1715, Orginal des Dekrets)

Ganz plötzlich wurde E.W.v.Tschirnhaus am 11.10.1708 von der roten Ruhr dahingerafft.
Bis zum 20.3.1709 ruhten die Porzellanarbeiten, dann traf Melchior Steinbrück in Dresden ein. Er war der Hauslehrer der Familie v.Tschirnhaus und hatte nun die Aufgabe, den Nachlaß zu sichten.
(H.St.A.Dresden Loc 379/381)

Am 20.3.1709 unterzeichnete Steinbrück vor einem Notar die Aufstellung des Nachlasses von Tschirnhaus`und traf in diesen Tagen mit Böttger zusammen, der dann am 28.3.1709 -also nur acht Tage später- dem König die Erfindung des Porzellans meldete. Böttger wurde Leiter der ersten Porzellan-Manufaktur Europas. Er ernannte Steinbrück zum Inspektor, dieser heiratete dann Böttgers Schwester.

Am 23. Januar 1710 wurde schließlich die heute noch in aller Welt berühmte Königlich-Sächsische Meißner Porzellanmanufaktur gegründet, deren Leitung August I. Johann Friedrich Böttger übertrug.

Die Manufaktur füllte des Königs Tafel mit dem begehrten Porzellan und die Staatskasse zugleich mit Gold. Johann Friedrich Böttger, der während seiner Experimente lange Zeit giftigen Substanzen ausgesetzt war und der Drang, seinen Durst mit Wein zu löschen hatten seine Gesundheit auf sehr stark untergraben. So litt litt der Erfinder des Europäischen Porzellans bald unter Kreislaufschwäche und Schwächung seines Sehvermögens. Sein Zustand verschlechterte sich zusehends und am 13. März 1719 verstarb Johann Friedrich Böttger nach langer Krankheit in Dresden.

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Historische Zeugenaussagen:

“Das Meissener Porcellain ist nach dem berühmten Zschernhausen anfänglich ausgefunden nachgehendts von Böttger zur besseren Perfection gebracht.” (H.St.A.Dresden Loc 1341)

Fontenelle, Mitglied der Pariser Akademie, nennt 1709 v.Tschirnhaus als Erfinder.
(Eloge de M. de Tschirnhaus” 1709 von Fontenelle, Bernard)

1719 flieht der Arkanist Samuel Stölzel aus Meißen nach Wien und verrät dort das Porzellangeheimnis. Er bekundet, daß nicht Böttger, sondern von Tschirnhaus das Porzellan erfunden habe. Im selben Jahr schreibt der Generalsekretär der Meißner Manufaktur
-Caspar Bussius- in seinem Bericht vom 19.1.1719: “daß die Porzellanerfindung nicht von Böttger, sondern von dem seeligen Herrn von Tschirnhausen herkommt und dessen schriftliche Wissenschaft ihm durch den Inspektor Steinbrück zugebracht worden sey.” (H.St.A.Dresden,Hempel 1823, S.292, u.”Porzellan aus der Manufaktur” von G.Meier, S.175, Berlin 1981)

Und in der Tat hat Steinbrück 1718 in einer Abfassung mit eigenen Worten zugegeben, den handschriftlichen Nachlaß von Tschirnhaus benutzt, bzw. sich von den Manuskripten Abschriften gemacht zu haben. Ferner berichtet er, dass er über die Art, wie Böttger das Porzellan erfunden habe, nicht ganz im klaren sei.
(“Nachrichten über die im Chursächssischen Ertz-Gebirge befindlichen Edelen guthen und raren Gesteine” -Kgl.Bibliothek Dresden Ms.J. 275, 1718-)

1727 hält in Paris der französische Technologe und Biologe Réaumur (Erfinder des Thermometers) einen Vortrag über die Herstellung des europ. Porzellans und bezeichnet v.Tschirnhaus als den Erfinder. (H.St.A.Dresden Loc.1341) :”Die Academie hat einen ihrer Glieder, Herrn Tschirnhausen, gehabt, welcher das Arcanum eines Porcellaines, welches dem ansehen nach eben dasselbe ist, so in Sachsen gemacht wird, erfunden…”

Ein weiterer Zeitzeuge ist Herr Peter Mohrenthal aus Dresden. Er schreibt 1732:
“Ganß Sachsen wird so leicht den Herrn von Tschirnhausen nicht vergessen, und sein Ruhm wird ewig bestehen, so lange nehmlich, als die Porcellain-Fabriqve in Meißen welche nächst der Chinesischen, ihres gleichen in der Welt nicht hat,… Denn eben der Herr von Tschirnhausen ist derjenige, so die Massam zu Porcellain am ersten glücklich gefunden, und hat sie nach ihm der bekannte Bötticher völlig ausgearbeitet… Der Tod nehmlich unterbrach alle schönen Bemühungen des Herrn von Tschirnhausen, welche die Welt nicht mit Golde bezahlen kann.”
Beweis: (P.G.Mohrenthal: Lebens-Beschreibung des Welt-berühmten E.W.von Tschirnhaus in gleichen Nachrichten von seinen Schriften und seltenen Erfindungen. In: Curiosa Saxonica, Drittes repoitorium Probe 38 und 39.Dresden 1731).